
Neulich wurde es mir angesichts des oben abgebildeten Plakats in den Kölner U-Bahnen zu bunt, und ich lernte den Verkehrsverbund Rhein-Sieg kennen....
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Sehr geehrte Damen und Herren,
ich möchte ja nicht vorlaut sein, aber wussten sie eigentlich, dass ihr Slogan ''The SIMPLE ride' im Englischen eine weitere Bedeutung hat, die über eine 'einfache, unkomplizierte Fahrt' hinausgeht?
'Simple' bedeutet im Englischen auch gleichermassen 'dämlich' und 'ride' ist ein Slangausdruck für den Geschlechtsakt. In Verbindung mit dem Foto einer lasziv dreinschauenden blonden Frau mit rasierten Achseln auf ihren Plakaten, entsteht der Eindruck es mit einer dümmlichen und leicht rumzukriegenden Frau zu tun zu haben und nicht mit einem Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs. (Ich erspare ihnen und mir an dieser Stelle einen Witz in Zusammenhang mit der Doppeldeutigkeit des Wortes 'Verkehr'). Ein Freund von mir aus England hat sich jedenfalls schlapp gelacht, als er die Plakate in der U-Bahn erblickte und konnte es kaum glauben. Ich hoffe nicht, dass es ihre Intention war ihre jungen Kunden, zu denen ich mich ja auch zähle, als derart leichtfertig zu brandmarken.
By the way... muss es denn in ihrer Werbekampagne unbedingt etwas in englischer Sprache sein? Und why? Es mag ja verlockend sein für einen Werbeslogan einen englischen Ausdruck zu benutzen, weil das 'catchier' ist und die 'Hookline' mehr 'puncht'. Zumal es auch irgendwie internationaler klingt und die Aussage so den Herausforderungen und Bedürfnissen einer Gesellschaft im Wandel der Zeit insgesamt gerechter wird. (Stichwort: Die Welt als globales Dorf). Allerdings sollte man dann besser auch genau wissen, was man da so in einer fremden Sprache sagt, sonst kriegt es einen komischen Beigeschmack. Oder um es mit dem kölschen Urgestein Kurt Cobain zu sagen: 'Smells like Provinzaroma'.
Sind wir doch mal ehrlich: Eine weltweite Klientel wollen und müssen sie doch auch mit ihrer Kampagne nicht ansprechen, sondern junge Menschen aus dem vergleichweise überschaubaren Verkehrsverbund Rhein-Sieg, die entweder noch zur Schule gehen oder sich in der Ausbildung befinden. Viele von uns jungen Menschen haben schon genug Probleme mit dem Erwachsenwerden und der unfallfreien Anwendung der eigenen Muttersprache. Bitte irritieren sie uns nicht zusätzlich.
Doch nun genug der notorischen Besserwisserei. Ich möchte ihnen an dieser Stelle auch mal ein Kompliment machen. Ich habe auch schon mal in Berlin und im Ruhrgebiet gewohnt und kann nur sagen, dass sie die im Innenraum am geschmackvollsten gestalteten Züge ihr eigen nennen. Was also ihr Gefühl für das Interieur angeht: Hat off! No one can reach you the water.
Über eine Antwort von ihnen würde ich mich sehr freuen. (Aber bitte schreiben sie mir nicht, wie toll ihr Slogan von uns jungen Menschen aufgenommen wird. Wir jungen Menschen wissen es oft einfach nicht besser und sind deshalb leicht korrumpierbar. Wir laufen auch in viel zu weiten Hosen herum, tragen hässliche Piercings im Gesicht und geben Unmengen von Geld für Handyklingeltöne aus, bloß weil uns das irgendwer einredet.)
Mit freundlichen Grüssen
Lee Buddah
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Sehr geehrter Herr Buddah,
vielen Dank für Ihre mail.
Gerne nehmen wir zu Ihrer Kritik an unserer aktuellen Kampagne Stellung:
Die StarterTicket-Kampagne greift den Live-Style der Kultserie 'The Simple Life' auf. Die kleine Fotogeschichte zeigt zudem, dass man mit dem StarterTicket sowohl zur Arbeit und in die Schule, als auch bequem durchs restliche VRS-Verbundgebiet fahren kann, abends darüber hinaus noch Freunde mitnehmen und die Mobilität einem viel Spaß bringen kann.
Das StarterTicket eröffnet den Auszubildenden die interessante Welt des gesamten VRS-Gebietes, ähnlich wie die Darstellerinnen in der Serie 'The Simple Life' durch die USA reisen und dort viel erleben.
Die Protagonistin ist an den Frauentyp der Serie angelehnt, um die Wiedererkennung zu ermöglichen. Mit der Wahl des Models wollten wir keinesfalls niederste Instinkte ansprechen. Wir können Ihren Eindruck allerdings auch nicht nachvollziehen, wenn Sie schreiben: '... In Verbindung mit dem Foto einer lasziv dreinschauenden blonden Frau mit rasierten Achseln auf ihren Plakaten, entsteht der Eindruck es mit einer dümmlichen und leicht rumzukriegenden Frau zu tun zu haben...'. Für uns wirkt das Model keineswegs, dümmlich oder gar als sei sie leicht 'rumzukriegen'.
Falls sich dennoch irgendjemand durch die Darstellung diskriminiert fühlen sollte, bitten wir dies zu entschuldigen.
Um die Anlehnung an die Serie 'The Simple Life' noch verständlicher zu machen, haben wir nicht nur unsere Models entsprechend ausgewählt, sondern auch das Kampagnen-Motto und die Sprache angepasst. 'The Simple Ride' entspricht der deutschen Übersetzung 'Die einfache Fahrt'. Hier sei erwähnt, dass der VRS seit Februar 2004 den offiziellen Slogan 'Einfach fahren.' in seinen Veröffentlichungen verwendet.
Da das englische Wort 'Ride' im Nahverkehr offiziell für 'Bus- und Bahnfahren' verwendet wird (z. B. Park & Ride oder Bike & Ride') liegt uns die Assoziation mit der Übersetzung 'einfacher/dämlicher Ritt/Geschlechtsakt' sehr fern.
Mit freundlichen Grüßen
i. A. Tanja Meuler*
Internet-Redaktion / Werbung
Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH
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Sehr geehrte Frau Meuler*,
vielen Dank, dass sie sich die Zeit für eine ausführliche Antwort genommen haben. Auf die Idee, dass ihr Slogan auf die Fernsehserie 'The Simple Life' Bezug nimmt, bin ich von alleine leider nicht gekommen, obwohl mir die Serie in groben Zügen bekannt ist. Ihre Idee gefällt mir aber sehr gut, gerade wegen ihres ganzheitlichen Ansatzes. Hier auf der einen Seite zwei Millionärstöchter aus den USA, die für viel Geld so tun, als ob sie auf dem Land arbeiten und ansonsten mietbare Partygäste sind. Auf der anderen Seite junge Auszubildende aus NRW, die für wenig Geld hart arbeiten und trotzdem tolle Abenteuer erleben, z.B. mit besoffenen Fährgästen an einer Bushaltestelle.
Dass die von ihnen beabsichtigte Anspielung auf 'The Simple Life' der Grund dafür sein soll, das 'simple ride' im Englischen jetzt nicht mehr 'dümmlicher Fick' heisst, verstehe ich allerdings nicht. Ich bitte sie diesen Mangel an Fantasie meinerseits zu entschuldigen.
Ich merke schon, wir kommen bei diesem Punkt irgendwie nicht so richtig zusammen. Ist ja nicht schlimm. War bloß so ein klitzekleiner Hinweis von mir. Ich bewundere ihren Standpunkt als einen erstrebenswerten und utopischen Entwurf. In einer besseren und gerechteren Welt, für die der VRS eintritt, kann der Künstler und nicht der Betrachter die Aussage seines Kunstwerks verbindlich festlegen. Und in dieser besseren Welt ist die mögliche Unwissenheit des Künstlers auch kein Grund für etwaigen Hohn und Spott. Damit ist allen geholfen.
Haben sie eigentlich damals auch sehr gelacht, als Edmund Stoiber der erstaunten Nation arglos kundtat, dass der Spitzname seiner Frau 'Muschi' ist? Ich erinnere mich noch genau daran, denn ich trank just in dem Moment ein sehr schmackhaftes Kakaogetränk, welches ich versehentlich vor Lachen durch die Nase wieder ausschied.
Ansonsten alles super bei mir. Ich habe mal wieder nichts zu tun und experimentiere zur Zeit berufsbedingt viel mit psychedelischen Drogen. Ich will mich ja nicht brüsten: Aber ich habe das Gefühl meine Astralreisen gehen mitunter fast bis an den Rand des VRS-Gebiets.
Miau, Mio
Lee Buddah
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* Name von mir geändert